Im Caritas-Seniorenheim Berching begleitet Praxisanleiter Marius Mandel (links) den Auszubildenden Christian Breindl. Foto: Caritas / Peter Esser
"Wir freuen uns, dass wir in unseren 20 Caritas-Seniorenheimen im Bistum viele Azubis haben, die aus anderen Ländern kommen. Es wäre aber schön, wenn sich auch mehr junge Menschen aus unserer Region für einen Beruf in der Altenpflege entscheiden würden, denn das machen mittlerweile nur wenige." Das hatte der für die Caritas-Altenhilfe im Bistum Eichstätt verantwortliche Abteilungsleiter, Norbert Bittner, vor kurzem anlässlich des Internationalen Tages der Pflege mitgeteilt. Im Caritas-Seniorenheim St. Franziskus in Berching gibt es nach Mitteilung des Einrichtungsleiters Gerhard Binder derzeit drei ausländische und zwei einheimische "Pflege-Azubis". Einer von ihnen ist der 22-jährige Christian Breindl, der direkt aus Berching kommt.
Beziehungsaufbau wichtig
Breindl erwarb 2020 die Mittlere Reife und absolvierte dann die einjährige Ausbildung zum Pflegefachhelfer im Klinikum Neumarkt. Als solcher arbeitete er anschließend drei Jahre im Seniorenheim Berching. "Im Krankenhaus konnte ich keine längere Beziehung zu den Patientinnen und Patienten aufbauen. In der Langzeitpflege in einem Altenheim ist das zu den Bewohnerinnen und Bewohnern hingegen möglich", begründet er seinen seinerzeitigen Wechsel. Im Jahr 2024 entstand bei ihm das Gefühl, sich weiterbilden zu wollen. Deshalb startete er die dreijährige generalistische Ausbildung zum Pflegefachmann, die er im Sommer 2027 abschließen will. In dieser Ausbildung hat er neben der Langzeitpflege im Seniorenheim Berching auch einen Einblick in die Krankenpflege im Klinikum Neumarkt sowie in die Kinderpflege im Klinikum Neumarkt und im Katholischen Kindergarten St. Marien Berching bekommen. Derzeit ist er in der ambulanten Pflege bei verschiedenen Sozialstationen tätig. Ende August kehrt er in seinem dritten und letzten Lehrjahr ins Seniorenheim Berching zurück. Er wird auch noch eine Hospitanz in einer psychiatrischen Einrichtung haben.
Seine Tätigkeiten im Seniorenheim sind vielfältig und reichen von der Grundpflege wie dem Waschen und Anziehen von Bewohnerinnen und Bewohnern bis zur Behandlungspflege mit unter anderem dem Anziehen von Thrombosestrümpfen, der Verabreichung von Medikamenten bis hin zu Insulinspritzen. Im dritten Lehrjahr übernimmt er zudem ab und zu die herausfordernde Aufgabe der Schichtleitung. Besonders gerne betreut Christian Breindl Bewohnerinnen und Bewohner, die an Demenz erkrankt sind. "Zu diesen habe ich einen besonderen Draht, sie sind sehr zutraulich zu mir. Das hängt vermutlich mit meinem Charakter zusammen", erklärt der 22-jährige Azubi. Fragt man ihn danach, was er nicht so gerne mag, nennt er "Erbrochenes wegwischen". Doch auch das schafft er, seit er dabei eine Maske aufzieht.
Angst hat er nach eigenem Bekunden vor keiner Herausforderung in der Pflege, allenfalls vor den Prüfungen am Ende seiner Ausbildung. Danach will er erst einmal eine Zeit lang als Pflegefachkraft im Caritas-Seniorenheim Berching arbeiten und dann entscheiden, in welchem Bereich er sich noch spezialisieren möchte. Das könnte beispielsweise zur Geronto- oder Palliativfachkraft sein, zum Wundexperten, zum Praxisanleiter oder zum Pflegedienstleiter.
Mit dem, was er in seinem Beruf einmal verdienen wird, zeigt sich Christian Breindl zufrieden. Als Pflegefachkraft erhält man nach Mitteilung von Caritas-Abteilungsleiter Norbert Bittner im ersten Jahr 3.943 Euro zuzüglich Schicht- oder Wechselschichtzulage, diversen Zeitzuschlägen sowie einer Jahressonderzahlung. Nicht ganz einfach, so der 22-Jährige, sei die Umstellung vom Gehalt als Pflegefachhelfer auf die derzeitige niedrigere Ausbildungsvergütung gewesen, "aber ich habe ja die Perspektive, in rund einem Jahr dann wesentlich mehr zu verdienen." Zudem weiß er, "dass ich einen sicheren Arbeitsplatz anstrebe".
Das Geld und die Sicherheit sind freilich nicht die Hauptmotivationen für Christian Breindl. Dafür, dass er einmal in der Pflege arbeiten will, verspürte er schon als Jugendlicher eine Berufung. "Mit 13 Jahren half ich meiner Oma häufig bei der Betreuung meines kranken Opas. Dabei erhielt ich auch schon ganz praktisch Einblicke in verschiedene Krankheitsbilder", erzählt er. Noch in der Schulzeit absolvierte er sodann zwei Praktika in der Pflege. "Heute weiß ich, dass die Arbeit anstrengend ist, sich aber auf jeden Fall lohnt", bringt Christian Breindl seine Erfahrungen auf den Punkt.
Mit "viel Empathie"
Sein Praxisanleiter Marius Mandel ist davon überzeugt, dass der junge Mann seinen Weg in der Pflege gehen wird. "Christian macht das fantastisch, zeigt viel Empathie und ist den Bewohnerinnen und Bewohnern sehr zugewandt", erklärt dieser. Das sieht auch Einrichtungsleiter Gerhard Binder so: "Es hat etwas gedauert, bis er nach einigen Jahren als Pflegefachhelfer so weit war, die generalistische Ausbildung zu starten, aber heute ist er ein ‚Spitzen‘-Azubi‘."
Beide wünschen sich, dass sich im kommenden Jahr wieder mehrere Interessentinnen und Interessenten für eine Ausbildung in ihrem Haus bewerben - sei es die einjährige oder die dreijährige Qualifikation. "Man muss es natürlich wollen, Lust auf diese Ausbildung haben, aber wenn das gegeben ist, kann man ganz viel entdecken und es ist unheimlich belohnend", weiß Praxisanleiter Marius Mandel aus eigener Erfahrung.