Die interkulturelle Trainerin Ralloù Moutafis (links) engagierte sich unter anderem im Caritas-Seniorenheim in Berching für Beteiligte am Kurs „Betriebliche Integration für ausländische Pflegekräfte“. Foto: Caritas/Peter Esser
Fünf Pflegekräfte aus anderen Ländern, die im Caritas-Seniorenheim St. Franziskus in Berching arbeiten, schließen in diesen Tagen einen umfangreichen Fortbildungskurs "Betriebliche Integration für ausländische Pflegekräfte" (BIAP) ab. Sie nahmen berufsbegleitend zusammen mit vier Mitarbeitenden aus anderen Einrichtungen an 100 Unterrichtseinheiten innerhalb eines halben Jahres teil. Zum Teil fand die Fortbildung im Seniorenheim Berching statt. "Mir ist es wichtig, dass Mitarbeitende mit Migrationshintergrund sich bei uns wohlfühlen. Die Teilnahme an solchen Kursen ist Teil unserer Integrationsbemühungen", begründet Einrichtungsleiter Gerhard Binder dieses Engagement. Der Kurs ist Teil eines noch umfangreicheren Bildungsangebotes, das vom Bayerischen Staatministerium für Familie, Arbeit und Soziales sowie von der Europäischen Union (EU) gefördert wird. Neben dem Angebot für ausländische Pflegekräfte gibt es auch noch einen Kurs "Interkulturelle Qualifizierung für ansässiges Stammpersonal und eine vertiefte berufliche Qualifizierung zum "Integrationscoach", ebenfalls für ansässiges Stammpersonal.
Interkulturelle Workshops
In dem Kurs Betriebliche Integration für ausländische Pflegekräfte wurden die Beteiligten zum einen "in interkulturellen Workshops in allem geschult, was mit Kultur und Sozialkompetenz zu tun hat", informiert der Projektkoordinator von der durchführenden LUCE Stiftung, Dr. David Rester, der ergänzt: "Hinzu kam ein Teil, bei dem sie in spezialisierten Pflege-Ausbildungseinrichtungen, sogenannten ‚Skills Labs‘, bestimmte Pflegesituationen trainierten: zum Beispiel mit Puppen und Virtual Reality-Brillen. Unter anderem in Rollenspielen ging es zum Beispiel um Gespräche mit demenzerkrankten Menschen, deren Angehörigen oder um Handlungen am Patienten: von der Körperpflege bis zur Blutabnahme." Der große Vorteil dieser Handlungen liege darin, dass sie in einem geschützten Raum stattfinden, so Rester.
Inhaltlich ging es dabei zum Großteil und die Herausforderungen einer kultursensiblen Pflege und interkulturellen Kommunikation. Dabei wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Beispiel auch mit dem oberpfälzer Dialekt konfrontiert. "Wir müssen den Mannaffi" hörten sie und fragten sich, was der Pfleger mit Affen wollte. Im Pflegealltag hätte eine solche Situation sie vermutlich verunsichert. Hier lernten sie, "dass sie nicht immer alles gleich verstehen müssen, aber nachfragten sollten, denn dann erfahren sie, dass es sich um Dialektsprache handelt und mit "Mannaffi" gemeint ist, einen Patienten hochzuheben", erklärt der Projektkoordinator.
Um kultursensible Pflege geht es zum Beispiel, wenn eine streng gläubige Muslimin sich weigert, einen Mann zu waschen, weil dies in ihrem Kulturkreis ein Tabu darstellt. "Dann kommt es darauf an, im Gespräch herauszufinden, wie man die Situation lösen kann: ob es sich zum Beispiel im Dienstplan einrichten lässt, dass diese Mitarbeiterin nur Frauen wäscht", sagt Ralloù Moutafis, die als Mitarbeiterin der Hochschule in Hof und interkulturelle Trainerin im BIAP Lehrbeauftragte ist. Um gemeinsam zu lernen, haben in dem Kurs auch einmal ausländische Pflegekräfte zusammen mit einheimischem Stammpersonal die Lehreinheit "Interkulturelle Kommunikation" belegt. "Integration ist schließlich keine Einbahnstraße für Menschen aus dem Ausland, sondern auch eine Aufgabe für Einheimische", so die Lehrbeauftragte.
Arbeit mit dem Gelernten verbessern
Vom Caritas-Seniorenheim in Berching haben an dem Kurs BIAP unter anderen die Mitarbeiterinnen Schwester Jesna Perumpunchayil (42) aus Indien und Snezana Grujic (25) aus Serbien teilgenommen. Die indische Ordensfrau absolvierte in ihrem Heimatland eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitet in St. Franziskus seit einem Jahr als Pflegefachkraft. "Ich denke, ich konnte mit dem Kurs meine Arbeit hier weiter verbessern", begründet Jesna Perumpunchayil ihre Teilnahme. Sie habe zum Beispiel gelernt, dass in bestimmten Pflegesituationen eine indirekte Kommunikation geeigneter sei als einen Patienten zum Beispiel direkt mit den Worten anzusprechen "Oh, Sie sehen aber schlimm aus. Sie haben wohl nicht gut geschlafen." Das gelte auch gegenüber anderen Mitarbeitenden: Ihnen sollte man zumindest in bestimmten Situationen möglichst nicht sagen "Du hast das falsch gemacht", sondern "Ich habe gemerkt, dass du das so gemacht hast. Du könntest das anders machen". Dass man etwas anders als bisher tun kann, habe sie auch hinsichtlich der speziellen medizinischen Behandlung gelernt, welche die Beteiligten übten: "Da habe ich gesehen, dass man einen Verband auch auf andere Art und Weise anlegen kann oder einen Katheder andres legen kann", so die indische Schwester.
Snezana Grujic hatte in Serbien eine Ausbildung zur Krankenschwester für Gynäkologie und Geburtshilfe gemacht. Sie arbeitet seit zwei Jahren als Pflegefachhelferin im Seniorenheim Berching. Sie würde gerne als Pflegefachfrau arbeiten und sieht sich selbst dazu auch qualifiziert. Der BIAP-Kurs habe sie unter anderem dazu motiviert, eine Anerkennung ihrer Ausbildung hier erneut zu beantragen, mit dem Ziel, danach als Pflegefachfrau arbeiten zu können. An dem Kurs habe sie teilgenommen, "um mich weiterzuentwickeln und einen weiteren Blick auf die Pflege zu bekommen", erklärt sie. Auch habe sie in BIAP gelernt, dass es wichtig sei, mehr miteinander zu kommunizieren, um bessere Lösungen zu finden. So könnte es zum Beispiel passieren, dass ihre Kollegin Jesna Perumpunchayil eine Bewohnerin als traurig einschätzt, sie selbst aber zu dem Eindruck kommt, die Seniorin habe einfach Angst. "Wenn man sich austauscht, kommt man vielleicht zu dem Ergebnis, dass beides der Fall ist", so die aus Serbien stammende Pflegefachhelferin. Für ihren Arbeitsalltag hat sich Snezana Grujic nach eigenen Worten vorgenommen, "vielleicht mehr Menschen zuzuhören. Wir haben ab und zu nicht so viel Geduld. Ich möchte mehr zuhören und erst danach Fragen stellen", so die Caritas-Mitarbeiterin.
Neuer Kurs ab 17. April geplant
Ein weiterer Kurs "Betriebliche Integration für ausländische Pflegekräfte" soll am 17. April starten, zunächst online, danach auch in Präsenz. Nach Mitteilung von Dr. David Rester sind dort noch Plätze frei. Informationen gibt es im Internet unter https://www.alia.de/projekt-biap/. Wer zu dem Kurs Fragen hat oder sich anmelden will, kann dies tun bei Dr. David Rester an die E-Mailadresse drester@luce-stiftung.de oder telefonisch unter 09605 9199386.