Der Schwabacher Pfarrer Msgr. Dr. Josef Hernoga regte beim geistlichen Impuls dazu an, das eigene Christsein in der Fastenzeit einem „spirituellen TÜV“ zu unterziehen. Foto: Caritas / Peter Esser
Ein Tag in der Vesperwoche im Caritas-Seniorenheim St. Willibald in Schwabach. Gut 15 Leute werden heute kommen, zehn sitzen zu Beginn andächtig beim spirituellen Impuls in den Bänken der Kapelle der Einrichtung. Der Schwabacher Pfarrer Msgr. Dr. Josef Hernoga überrascht sie, indem er allen einen Bierdeckel in die Hand drückt. Darauf steht in der Mitte "TÜV für die Seele". In einer Ansprache sagt er sodann: "Der Autobesitzer muss in regelmäßigen Abständen zum TÜV, um die Qualität und Sicherheit des Autos gewährleisten zu können." Für Christen sei es gerade in der jetzigen Fastenzeit gut, sich einem spirituellen TÜV zu unterziehen "und zu schauen, ob unser Glaube Rost angesetzt hat", meint Josef Hernoga. Das Herz müsse mit dem Öl des heiligen Geistes geschmiert werden. Die Gefühle sollten auf die "Abgase" Hast, Neid und andere negative Eigenschaften überprüft werden. Das Gewissen "als Navi" sollte erneut stärker auf Gott ausgerichtet werden. "In dieser Fastenzeit ruft uns Gott zur Veränderung", so der Pfarrer. Und eine Initiative könne es hierbei sein, an der Vesperwoche im Seniorenheim teilzunehmen, die Einrichtungsleiterin Ursula Markus zusammen mit der benachbarten Kirchengemeinde St. Peter und Paul für diese Woche ins Leben gerufen hat.
Offene Begegnungsstätte
"Wir wollen keine abgeschlossene Institution sein, sondern eine offene Begegnungsstätte. Alle Menschen sollen zu uns kommen können", erklärt Ursula Markus. Sie hätte sich heute noch mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewünscht. Es sind nur wenige Menschen gekommen, die vorher noch nie im Haus waren und die über die Ankündigung in der Zeitung von der Einladung erfahren haben. "Ich denke, da gibt es erst einmal eine gewisse Hemmschwelle, wenn es heißt, man könne zum Mittagessen ins Altenheim gehen. Da sind manche auch erst einmal abgeschreckt", so Ursula Markus. Ähnlich scheint es den Bewohnerinnen und Bewohnern der Einrichtung zu gehen, die auch eingeladen sind, hier Kontakt zu Menschen "draußen" zu knüpfen. Denn auch von ihnen sind nur einige gekommen. Doch die Leute, die sich beteiligen, genießen es, "einmal in Ruhe miteinander reden und zu Mittag essen zu können. Das ist eine sehr schöne Sache", meint der 69-jährige Gerhard Ittner, der in Schwabach wohnt. Er war früher Beamter und kennt das Haus schon von seiner beruflichen Tätigkeit her. "Doch es ist natürlich nochmals etwas anderes, wenn man als ‚Normalmensch" hierherkommt", so der heutige Ruheständler.
Gemeinschaft pflegten beim Mittagessen in der Vesperwoche im Caritas-Seniorenheim Schwabach Menschen aus verschiedenen Lebenssituationen. Foto: Caritas / Peter Esser
Der 86-jährige Gebhard Kindl, ebenfalls aus Schwabach, nimmt teil, weil ihm eine Bekannte den Prospekt über die Vesperwoche in die Hand gedrückt hatte. "Ich bin hier, um die Gemeinschaft zu pflegen", sagt der frühere Mitarbeiter bei der Bundesbahn, dessen Ehefrau vor zwei Monaten starb. Er lernt bei dem Mittagessen auch neue Leute kennen: zum Beispiel, die 31-jährige Theresa Kania, die mit ihm an einem Tisch sitzt. Beide freuen sich darüber, gemeinsam eine Eierflockensuppe sowie Stadtwurst mit Sauerkraut und Kartoffelpüree essen zu können. Theresa Kania erzählt dem Senior von ihrer eineinhalbjährigen Tochter, die sie gleich aus der Kinderkrippe abholen muss, und von ihrer Arbeit als hauptamtliche Koordinatorin im Hospizdienst Schwabach, die sie auch regelmäßig ins Caritas-Seniorenheim Schwabach führt. "Die Leute sind inzwischen offener für das Tabuthema Sterben geworden", sagt die gelernte Krankenschwester, und Gebhard Kindl nickt.
Mit an ihrem Tisch sitzt die 77-jährige ehrenamtliche Mitarbeiterin des Seniorenheimes Gerti Dittrich. Sie ist bereits seit 15 Jahren im Haus freiwillig engagiert. Sie bügelt und besucht immer einmal wieder Bewohnerinnen und Bewohner. Vor allem ist sie aber kreativ tätig. Theresa Kania und Gebhard Kindl gibt sie jeweils ein Exemplar der Heimzeitung, für die sie regelmäßig Bewohnerporträts schreibt. "In einigen Wochen werde ich mich mit zwei anderen Frauen um die Osterkrone im Garten kümmern und kurz danach um den Maikranz", erzählt sie. Gebhard Kindl sagt, dass er sich durchaus vorstellen könne, später einmal, wenn er pflegebedürftig sein sollte, ins Caritas-Seniorenheim St. Willibald zu kommen. "Das Ambiente hat sich hier sehr positiv entwickelt", ist sein Eindruck.
Spenden zur Finanzierung des Mittagessens erbeten
Die von der Einrichtung und der Kirchengemeinde organisierte Vesperwoche vom 2. bis zum 8. März findet im Rahmen der bundesweiten Caritas-Jahreskampagne unter dem Motto "Zusammen geht was" statt. Das tägliche Programm beginnt jeweils um 12.00 Uhr mit einem 20-minütigen spirituellen Impuls in der Haus-Kapelle des Seniorenheims. Anschließend begleiten Haupt- und Ehrenamtliche die Gäste von der Kapelle in den Speisesaal. Von den Besucherinnen und Besuchern wird lediglich ein symbolischer Betrag von 1 Euro zur Wahrung der Würde erwartet. Um die Mittagsmahlzeiten im Wert von jeweils 11 Euro zu finanzieren, bittet das Haus St. Willibald um Spenden. Diese können im Internet unter www.twn.gl/vesperwoche geleistet werden.